Wunderwelten beim Bremer Karneval

Aschermittwoch. Der Karneval ist vorbei – jedenfalls offiziell. Die einen sind erleichtert, die anderen haben den Katzenjammer. Und dann gibt es da noch die Fans des Bremer Karnevals, die das nächste Jahr gar nicht abwarten können.

Norddeutschland ist ja eher nicht so als typische Karnevalsgegend bekannt, aber was die Initiative Bremer Karneval Jahr für Jahr auf die Beine stellt, erfreut sich weit über Bremens Grenzen hinaus großer Beliebtheit. Denn hier wird brasilianische Lebenslust mit norddeutscher Ekstase gepaart, wie es ganz unbescheiden im diesjährigen Pressetext heißt.

Schon zum 32. Mal fand dieses Jahr das Fest der Masken und Sambistas in Bremens “guter Stube”, wie der Bremer Marktplatz liebevoll von den Einheimischen genannt wird, und im benachbarten Ostertorviertel statt. Traditionell eine Woche bevor das närrische Treiben in den Karnevalshochburgen seinen Höhepunkt erreicht. So können auch die Gruppen aus dem Rheinland, aber auch aus der Schweiz, den Niederlanden, Dänemark und Großbritannien ihr Können ohne Terminstress auf die Straße und die Bühnen bringen. Und natürlich die vielen Sambistas aus Bremen und “umzu” – sogar die feschen Münchner von der Gruppe Stockwerk Orange haben den weiten Weg nicht gescheut und einen knackigen Samba-Schuhplattler auf die Bühne gebracht.

Die Initiative Bremer Karneval e.V. entstand 1986 mit viel Enthusiasmus unter der künstlerischen Leitung der Schweizerin Janine Jaeggi. Seitdem wächst die Zahl der Aktiven, Helfer und externen Teilnehmer und das Event wird immer professioneller, obwohl die finanziellen Mittel nach wie vor sehr begrenzt sind. Kurzzeitig drohte im letzten Jahr sogar das Ende, bis der Bürgermeister nach einer Zitterpartie einlenkte und die nötige Finanzspritze bewilligte.

Musikalisch dominieren brasilianische Sambaklänge den Bremer Karneval, aber, wie es auf der Homepage der Initiatoren heißt, gilt das Hauptinteresse dem kulturellen Erbe, einem in dieser Jahreszeit europaweit verbreiteten Ereignis:
Der Begegnung der Winterkräfte und der aufkeimenden Frühjahrskräfte.
Und die spiegeln sich in den originellen Kostümen der Teilnehmer und Zuschauer wider:

Pünktlich um 12 Uhr mittags, nachdem die Domglocken verklungen sind, beginnt die Eröffnung auf dem Bremer Marktplatz. Wer hier rechtzeitig erscheint, kann ein stets märchenhaftes und liebevoll inszeniertes Spektakel bewundern, das jedes Jahr auch Gelegenheit für kritische Seitenhiebe auf politische und gesellschaftliche Missstände gibt. Das diesjährige Motto hieß “Wunderwelten” und die Interpretationen der etwa 1500 Akteure in rund 65 Sambagruppen waren eine Freude für Augen und Ohren. Und dazu lächelt wie immer der Bremer Roland.

Nach der Eröffnung schlängelte sich der große Umzug an den Domtreppen und hanseatischen Gebäuden der Innenstadt vorbei in die östliche Vorstadt, das sogenannte Viertel. Um der am Straßenrand aufgereihten Menge die Wartezeit zu vertreiben, fingen einige Gruppen schon vorzeitig an zu spielen. Denn eines eint alle Sambaspieler: die Lust am Rhythmus und das Sambafieber. Und auch mit Pudelmütze und Handschuhen lässt sich dazu ganz vorzüglich wippen oder womöglich sogar tanzen – denn wenn die Norddeutschen erst einmal auftauen, sind sie nicht mehr zu bremsen!

Gruppenbild mit Dame
Gruppenbild mit Dame – Janine Jaeggi und Sambistas an der Ostertorwache

Afrobrasilianische Klänge aus Bahia mischen sich mit rasanten Beats aus Rio de Janeiro, Kölscher Frohsinn, Guggemusik und bizarre Maskenträger verzücken das Publikum.

Blaumeier Atelier
Männlein oder Weiblein vom Blaumeier Atelier

 

Das Viertel zeigt seinen ganzen verschrabbelten Charme, wenn die Akteure nach dem Umzug in die Nebenstraßen einfallen, um sich mit Suppe und Glühwein zu stärken oder eine spontane Jam-Session zu veranstalten. So viele Samba-Verrückte auf einem Fleck, da glüht das Kopfsteinpflaster und die Anwohner feiern begeistert mit – oder flüchten.

Besonders originell fand ich dieses Jahr eine Gruppe fetziger Holländer im Nerd-Outfit – ein Blick ins Programm verrät den Namen: Sambanda aus Boekel (NL).

Brabantse Sambanda Supercussie
Brabantse Sambanda Supercussie

Der krönende Abschluss des Bremer Karnevals ist immer der große Ball im Veranstaltungszentrum Schlachthof mit drei Bühnen und viel Platz zum Tanzen und Feiern. Hier ragte beim “Wunderball” wie immer die famose Performance von Confusão, der Hausband der Initiative Bremer Karneval, hervor. Mit ihrem originellen “Worldwidebeat”, den fantastisch illuminierten Kostümen und ihrer Schwestergruppe StelzenArt verzaubern sie inzwischen sogar in Hong Kong die Menschen.

Dieses Jahr war ich (wieder) nur als Zuschauerin dabei – aber die Trommel Sticks im Schrank warten auf ihren Einsatz, denn der Samba-Virus hat mich wieder voll erwischt.

 


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