Mein Herz tanzt im kalten Berlin – Reisegefühle

Berlin2
In Berlin hat das neue Jahr gerade angefangen. Ein weißer Pudel blickt verträumt auf die Gleise. Immer wieder tauchen Züge wie in Zeitlupe durch das Schneegestöber. Sogar kalte Großstadtmontage können hier bezaubernd sein.

Obwohl der Winter in Berlin manchmal lang und frostig sein kann, verliert die Stadt nie ihre krasse Aura. Und gerade in besonders kalten Nächten holen sich viele gern die Herzenswärme beim Tanzen zurück. Auch ich gebe mich diesem einzigartige Kontrast gerne hin.

Von Außen scheint die Stadt dann erstarrt im klirrend kalten Winter, und hinter dicken Mauern beben in der verschwitzten Hitze des Nachtlebens alle erdenklichen Gestalten und Facetten des zeitgenössischen Zappelns und Tanzens durch die Clubs.

Als einer der bedeutensten deutschen Dichter der Aufklärung hat Gotthold Ephraim Lessing mit seinen Schriften, die vor allem dem Toleranzgedanken verpflichtet sind, auch der Entwicklung der Berliner Kultur wesentlich den Weg gewiesen. Meinem letzten Kurztrip in die Hauptstadt – bei Temperaturen unter Null – habe ich also einfach mal ein Lessing-Gedicht gegenübergestellt. So kann man Berlin vielleicht auch aus der Ferne ein bisschen spüren.

Der 24ste Jenner in Berlin

Welch leichter Morgentraum ließ, auf den heilgen Höhen,
Der Musen Fest um Friedrichs Bild
Mich bei Aurorens Glanz mit frommem Schauer sehen,
Der noch, der noch die Seele füllt.

Ein Traum? nein, nein, kein Traum. Ich sah mit wachem Sinne
Die Musen tanzten darum her.
Wach ward ich nah dabei Cäsars und Solons inne,
Doch keinen, daß er neidisch wär.

Ein süßer Silberton durchzitterte die Lüfte,
Bis in des Ohres krummen Gang;
Die Blumen brachen auf, und streuten Balsamdüfte;
Der Berg lag lauschend; Klio sang:

»Heil dir! festlicher Tag, der unsern Freund geboren.
Ein König, Schwestern, unser Freund!
Heil dir! uns neues Reich, zum Schauplatz ihm erkoren,
Dem frommen Krieger, niemands Feind!

Laßt freudig um sein Bild, voll Majestät in Blicken,
Der Tänze Hieroglyphen ziehn!
Einst, Schwestern, tanzen wir, mit trunkenerm Entzücken,
Einst, freut euch, tanzen wir um ihn!«

Einst tanzen wir um ihn? Prophetin banger Schrecken!
Nie werde dieses Wort erfüllt!
Nie mög ein Morgenrot zu diesem Glück euch wecken!
Tanzt, Musen, ewig um sein Bild!

Gotthold Ephraim Lessing

Und jetzt kann es dann ja auch endlich mal Frühling werden … 😘


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